Schöner Naturpark, Geier…und dann die Sache mit dem ACE

Freitag, 19. August 2016 – Freitagmorgen genossen wir noch den schönen Platz am Fluss Tormes. Nach einem Spaziergang mit Emma und dem anschließenden Frühstück packten wir zusammen und fuhren weiter. Die Temperaturen waren nun schon arg sommerlich – ca. 35 Grad. Ohne Klimaanlage ist so eine Fahrt durch Spaniens Inland ziemlich anstrengend. Wir schwitzten also vor uns hin und durchquerten den wirklich schönen Naturpark „Parque Natural de Monfragüe“. Aufgrund der Hitze sind wir nur durchgefahren. Im Frühjahr wird das garantiert sehr schön sein. Hier leben große Geier, die uns fasziniert haben. Zudem haben Stiere riesige Weiden und die Schweine, die als Jamon enden, leben dort im Freien.

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Danach fuhren wir auf irgendeiner N-Straße weiter. Ich weiß nicht mehr, welche es war. Sie führte mitten durch die Natur und ab und zu kam man an Mini-Dörfern vorbei. Mittlerweile war es schon Abend und wir fanden nix, wo wir hätten stehenbleiben können. Und dann passierte die Panne: Mitten in Serpentinen gab unser Kulti auf einmal merkwürdig zischende Geräusche von sich. Auf der Straße gab es keinen Randstreifen und trotz Kurven bretterten LKW wie Verrückte über den Asphalt.  Aber wir mussten anhalten und standen halb auf der Straße. Warndreieck aufgestellt und eine halbe Stunde Kulti abkühlen lassen – das allerdings bei der Sommerhitze nicht so einfach war.

Wir krochen dann im Schneckentempo weiter bergauf und fanden Gott sei Dank nur wenige Meter weiter eine Ausbuchtung. Dort stellten wir Kulti ab. Kühlwasser war keins mehr vorhanden  – so eine Schei… .

Aber: Genau für solche Situationen sind wir ja in den ACE gegangen. Beim Eintritt in den Autoclub Europa waren wir überzeugt, dass die Leistungen dieselben seien wie beim ADAC. Wir sollten eines Besseren belehrt werden…

ACE – „Ihr Anruf bewegt uns“: Erfahrungsbericht mit dem Automobilclub Europa

Auf der Homepage vom ACE ist der Spruch zu lesen: „Ihr Anruf bewegt uns“. Joar, wir waren zumindest emotional sehr bewegt, denn es hat ziemlich lange gedauert, bis wir überhaupt mal telefonisch durchkamen.

Wir standen also mitten in der Pampa mit schlechter Telefon- und Internetverbindung und versuchten den ACE zu erreichen. Ok, wir hingen in der Warteschleife. Das wird wohl noch normal sein. Wir hingen mal 7 Minuten, mal 5 Minuten, mal 20 Minuten, mal 10 Minuten, mal…. . Da dort oben in der Pampa schlechter Empfang war und wir zum Telefonieren vom WoMo weggehen mussten, war das ein schwieriges Unterfangen. Die Verbindung brach ab, aber hoffnungsvoll versuchten wir es immer wieder – die Ansage, die man in der Warteschleife dauernd hörte, konnten wir schon auswendig…

 

Es wurde dunkel, der Mond schien helle und wir hatten den ACE immer noch nicht erreicht. Aber: in der Warteschleife wurde ja die super duper Notruf-App vom ACE angepriesen. Mmmmh, probieren wir es doch damit mal aus.

Da auch die Internetverbindung dort in der Pampa nicht die beste war, hat es gedauert, bis wir die super-duper-ACE-Notruf-App runtergeladen hatten. Yes, jetzt bekommen wir Hilfe und sendeten einen Notruf ab.

Irgendwann waren wir müde und da sich nix bewegt hatte, fielen wir ins Bett.

Hier werden Sie nicht geholfen

Samstagmorgen, 20. August 2016 – Der frühe Vogel fängt den Wurm – oder telefonisch den Notrufdienst vom ACE… . Geschlafen hatten wir kaum, denn es ist nicht sooo angenehm irgendwo im Nirgendwo zu stehen und nicht zu wissen, wie man da wieder wegkommt. Die Überlegung am Morgen war, unsere KFZ-Versicherung anzurufen. Da ist ja das Abschleppen des Wagens enthalten, aber wie kämen wir dann selbst weg? Denn eine Autoreparatur in Spanien, die dauert und dauert und .. *gähn*. Zudem wollten wir den Wagen in unserer Werkstatt haben, weil wir der vertrauen.

Wir entschieden uns erneut für den ACE, denn da wird man ja geholfen, also das dachten wir und ließen wieder einen Hoffnungsfunken sprühen.

Wir telefonierten mit zwei Handys– wir sind echt auf die Telefonkosten gespannt – und hingen dann mit zwei Handys in der Warteschleife. Es wurde schon warm und wärmer und wir saßen nicht gemütlich im Wagen. Nö, wir standen in der Sonne, an unserem Telefonpunkt.

Da, endlich! Wir hatten die Warteschleife gemeistert und ein Berater meldete sich, juhuuuu. Jetzt werden wir geholfen!

Es wurde ein Abschleppwagen eines Vertragspartners geschickt. Der kam dann auch und stammte aus einem Mini-Dorf etwa 40-50km entfernt. Der spanische Herr war sehr freundlich, schaute nach und sagte: Zylinderkopf, fahren geht nicht mehr.

So wurde Kulti auf den Abschleppwagen gezogen und das machte nun Emma total nervös. Ihr Lieblings-Zuhause! Sie jammerte und fiepte und trippelte hin und her.

Wir mit Abschleppdienst zum Mini-Dorf und dort standen wir dann erstmal rum. Kulti noch auf dem Abschleppwagen, weil der Mann des Dienstes direkt wieder mit einem anderen Fahrzeug rausfahren musste.

Ok, wir haben ja den ACE und der ist ja bewegt, wenn man ihn anruft. Wieder telefonierten wir mit zwei Handys und hockten in der Warteschleife. Nach rund 20 Minuten hatte Gerd Glück und eine Mitarbeiterin am Telefon, juhuuuu, jetzt werden wir geholfen! …

Die Mitarbeiterin war allerdings die Unfreundlichkeit in Person. Gerd – und auch ich – waren mittlerweile etwas säuerlich und Gerd äußerte den Fakt, wieder 20 Minuten in der Warteschleife gehangen zu haben. Mitarbeiterin meinte, wir sollen doch froh sein, denn andere warten 40 Minuten und wir sollten uns mal vorstellen in Serbien zu stehen, wo wir uns nicht verständigen könnten.

Öhm, ja, sie war wohl sehr bewegt von unserem Anruf.

Gut, wir schilderten ihr, was nu los war. Es war ja auch kurz vorm Wochenende. Vor Montag hätte also niemand unseren Kulti angepackt. Wie kamen wir jetzt nach Hause (ca. 600km von Aguilas entfernt – und vom Standort aus ca. 130 km bis zum nächsten großen Ort). Und was ist mit Kulti? Und überhaupt und so.

Mitarbeiterin sagte, Kulti würden sie nach Aguilas bringen – und im harschen Ton kam der Zusatz, dass wir den Wagen aber innerhalb drei Wochen reparieren lassen müssen, da wir ansonsten die Kosten für den Transport zahlen müssten. Ok, also gabs für uns eine Frist für die Reparatur – dem bewegten ACE ist das ja schnurz egal, ob man die Knete direkt parat hat.

Wir fragten, was mit uns ist. Bis Kulti in Aguilas ist, dauert es zwischen 1 und 2 Wochen.

Die Optionen: Mietwagen eventuell, aber nur mit Kreditkarte. Mmmh, wir haben Visa electron, ging nicht. Also kein Mietwagen. Die Bürgschaft für die Mietwagenkaution wird vom ACE übernommen, wenn man mindestens 20 Jahre Mitglied ist. Ja, schade…

Weitere Option: Zug, ja, Zug ist gut – meinte die Mitarbeitern. Wir sollten mit dem Zug fahren.

Öhm, wir erklärten der Frau noch einmal, wo wir uns befanden und dass hier weit und breit nix ist und schon gar kein Bahnhof.

Mittlerweile kam der Mann vom Abschleppdienst zurück und meinte zu uns: Der RACC würde euch jetzt mit dem Taxi  nach Hause fahren.

Er konnte überhaupt nicht verstehen, dass dies nicht vom ACE angeboten wurde. Ja, schade, wären wir mal in den RACC gegangen.

ACE-Mitarbeiterin sagte, sie melde sich wieder und ließe ihre spanischen Kollegen Zugverbindungen raussuchen. Ach so, die Zugverbindungen sollten wir zuerst selbst raussuchen. Da wir aber auch da im Mini-Dorf nur sehr schlechtes Internet hatten und zudem selbst sahen, dass es hier keine Zugverbindungen gibt, baten wir den ACE, sich doch bitte darum zu kümmern. Also ich meine, sie sind ja bewegt und könnten sich ja mal ein bisschen in unsere Richtung bewegen, so hilfsbereit und so.

ACE – dein Anruf bewegt uns

ACE ruft zurück und sagt, dass es keine Zugverbindung gibt. Ach da schau her, welch Überraschung. Jo und nu? Also wir könnten mit dem Taxi fahren, aber sie übernehmen nur 30 Euro für die Taxifahrt. Aha, also wir erklären ihr noch einmal, wo wir uns befinden und dass es noch seeeehr weit ist, bis der nächste größere Ort kommt. „Tut uns leid, aber wir können Ihnen nicht weiterhelfen“. Ja danke, lieber ACE, das war jetzt wirklich ein bewegender Anruf. Schöne Schei … .

Wat nu? Wie kommen wir hier weg? Selbst wenn wir ein Taxi genommen hätten, hätten wir noch einiges an Gepäck mitschleppen müssen, z.B. Notebook und Bücher für meinen Job, Fotoausrüstung (die man ja auch nicht einfach da im WoMo lässt), Klamotten in Tüten (in der Regel hat man ja keine Koffer im Wohnmobil). Außerdem wäre fraglich, ob spanische Züge überhaupt Hunde mitnehmen, in diesem als tierlieb bekannten Land *höhö*.

Die Rettung kam mit Steve, der die 600km fuhr, um uns abzuholen. An dieser Hilfsbereitschaft sollte sich der ACE mal ein dickes Beispiel nehmen. Gerade weil wir in der Pampa standen hätten wir von so einem Club erwartet, dass sie in Aktion treten und sich einsetzen. Jetzt wissen wir wenigstens, wie motiviert der Club ist, wenn ihre Mitglieder tatsächlich Hilfe benötigen. Mittlerweile sprachen wir mit vielen Wohnmobil-Reisenden, die ebenfalls Mitglied in einem Autoclub sind – allerdings meistens im ADAC. Viele konnten von ähnlichen Fällen berichten und niemand wurde einfach so hängengelassen. Alle bekamen einen Mietwagen, mit dem sie nach Hause fahren konnten – auch diejenigen, die irgendwo im Nirgendwo standen. Die gelben Engel scheinen immer noch diejenigen zu sein, die tatsächlich helfen und vom Anruf der in Hilfe brauchenden Mitglieder bewegt sind – und sich sofort in Bewegung setzen.

Mittlerweile haben wir Donnerstag den 8. September. Letzten Freitag schrieb ich eine Mail an den ACE, weil wir gerne wissen wollten, wann mit der Ankunft unseres Kultis zu rechnen ist. Samstag riefen wir dann die Info-Nummer des ACEs an. Natürlich hängt man auch dort in der Warteschleife – aber es läuft eine andere Musik, yeah. Der Berater sagte uns dann, wir müssten für solche Auskünfte die Notruf-Nummer anrufen, allerdings nicht am Wochenende, da dann die zuständigen Mitarbeiter nicht anwesend sind.

Also ich meine: Wenn die Notruf-Nummer nicht nur für tatsächliche Notrufe da ist, sondern auch für Auskünfte wie die über unser WoMo – dann ist es doch kein Wunder, dass man ewig in der Warteschleife hängt.

Am Montag dann die überraschende Überraschung: Eine Mitarbeiterin des ACE rief an und teilte uns mit, wann Kulti in Aguilas ankommt. Sie war auch sehr freundlich.

Mittlerweile ist Kulti zuhause, bzw. in der Werkstatt unseres Vertrauens.

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8 Gedanken zu “Schöner Naturpark, Geier…und dann die Sache mit dem ACE

    • Ja, das war ein Alptraum. Deshalb schrieben wir den ADAC an, weil wir dorthin wechseln wollten. Aber sie schrieben uns, dass einige Leistungen entfallen, weil wir in Spanien leben. Könnte also bei euch ähnlich sein. Der ADAC riet uns, in einen spanischen Autoclub zu gehen. Wir werden nun beim RACC nachfragen, vor allem fragen, wie die Hilfeleistung in einer Situation aussieht wie die, die wir erlebt haben. Stadtnah eine Panne zu haben ist ja immer noch was anderes, als mitten im Nirgendwo zu stehen – und genau deshalb sind wir in solch einen Club eingetreten.

      Vielleicht lassen wir es auch ganz sein, mit Club-Mitgliedschaft, wenn man sich am Ende doch selbst helfen muss.

      …. wie ich gerade auf der Facebook-Seite des ACE gelesen habe, prüfen sie momentan unseren Einzelfall (!). Bin gespannt auf das Ergebnis.

      Gefällt 1 Person

  1. Nun bin ich wirklich etwas irritiert – ob in Deutschland, Frankreich, Spanien oder Portugal mit älterem Auto (MB 208 und Sprinter) unterwegs gab es mit dem ACE nie Probleme. Im Gegenteil: Nachdem die erste Verbindung zustande gekommen war, rollte das Programm ab – Abschleppwagen, Vertragswerkstatt, Ersatzteil-Beschaffung, Unterkunftsangebot und etliche Rückfragen vom ACE nach dem Fortgang der Arbeiten – ich wurde aus der Fürsorgeschleife immer erst entlassen, nachdem ich wiederhergestellte Fahrbereischaft gemeldet hatte. Euer Bericht verwundert mich sehr. Nach meinen Erfahrungen kommt für mich kein anderer Automobil-Club in Frage.

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    • Hallo Hermann,

      das freut uns, dass du gute Erfahrungen gemacht hast.
      Angebot zur Unterkunft stand bei uns überhaupt nicht zur Debatte. Das wurde uns gar nicht vorgeschlagen.
      Unsere Erfahrung war also mehr als grottenschlecht, sodass wir diesen Club nicht weiterempfehlen können.

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  2. Wir sind seit 7 Jahren mit unserem WoMo Mercedes Sprinter 313 Ci in Spanien unterwegs , hatten aber nur kleinere Pannen(Reifenpanne) Wir sind beim ADAC. Bisher haben wir nur gute Erfahrung gemacht und koennen den ADAC nur empfehlen !

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